Jubiläumskonzert 2010



So manch einer mag ja sagen, dass 10 Jahre gar keine so lange Zeit seien, geschweige denn 5 Jahre. Doch die Zeit wird bekannterweise von jedem anders wahrgenommen und so klingt diese Zahl ganz anders in den Ohren von uns Spielern. Zehn Jahre! Ein ganzes Jahrzehnt!

Eine Zeit, die gefeiert werden muss, und gefeiert haben wir. Ein Festkonzert, an das wir uns noch lange erinnern werden und das allem Anschein nach auch unsere hunderten Zuhörer beeindruckt hat, von denen so mancher gehörigen Respekt vor der Zupfmusik gewonnen hat und sie nun in einem völlig anderen Licht sieht.
Was wir in diesen langen Jahren nicht alles an Blut, Schweiß und Tränen gegeben haben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Das Gefühl, mit blutigen Fingerkuppen zu spielen, ist allseits bekannt, genauso der kalte Schweißausbruch, wenn Stefans Blick auf einen fiel, nachdem man in die Generalpause reingespielt hatte oder an einer Saite hängen geblieben war. Und die Tränen, die wir vor Lachen vergossen haben, dürften wohl schon einen kleineren See füllen.
Habt Spaß an der Musik! Nach diesem Prinzip arbeiten wir und so war auch dieses Konzert im Staatstheater ein riesiger Erfolg(Spaß). Hier im Staatstheater spielten wir als erstes(!) Zupforchester.
Die Geschichte des SJZO war schon immer eine wechselhafte. Schon allein vom Titel her. Ein reger Strom von neuen, jüngeren Spielern löst die vorherige Generation ab. Das war schon bei unserem Vorgängerorchester so und war heute, wie damals eine Herausforderung. Dann schließlich kam es leider zur kompletten Auflösung und erst im Jahr 2000 zu einem erneuten Anlauf auf Initiative von Thomas Kronenberger.
Heute, 10 Jahre später, kann das neue SJZO bereits auf
eine eigene, abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. Worüber viele der heutigen Spieler immer noch staunen, ist, dass Stefan, der so selbstverständlich unser Dirigent ist, wie die Sonne bei Tage am Himmel steht, gar nicht von Anfang an dabei war. Einmal musste der Dirigierstab weitergereicht werden, bis er schließlich von Stefan entgegengenommen wurde. Sandra Dörrenbacher und Nicole Forse sorgten in den ersten Jahren dafür, dass dieser neue Versuch kein Rohrkrepierer wurde. Sie formten ein sehr gutes Ensemble und errungen große Aufmerksamkeit und Respekt für Ihre Arbeit bei den ersten Konzerten auch in Berlin. Dann übernahm Stefan, der uns weiter wachsen und reifen lies.
Eindrücke des Publikums: „Selbst die Kleinsten lauschten gespannt!“
Gewachsen sind wir mittlerweile auf gut 50 Spielerinnen und Spieler. Die Gründergeneration ist abgelöst, der Generationenwechsel verlief reibungslos. Eine Hürde, die das SJGO noch zu stemmen hat.
Aber wenn wir es schaffen, unser Publikum derart zu begeistern, obwohl unser Best-of-Programm der Hälfte unserer momentanen Spieler bis vor kurzem höchstens vom eigenen Hören her bekannt war, dann schaffen wir alles.
Und tatsächlich hatte unser Publikum einen Berg an Lob für uns. Ob es nun absolute Nicht-Musiker waren, für die es in der Tat der erste Konzertbesuch überhaupt war, oder kleine Kinder, die, sonst doch so unruhig, gespannt lauschten, junge Zupfer, die gerade erst zu Gitarre oder Mandoline gegriffen haben und es doch nicht für möglich hielten, dass Zupfmusik „so groß“ sein kann, oder erfahrene Musiker, die unsere Disziplin lobten. (Dies alles sind Kommentare, die ich nach dem Konzert zu hören bekam.)
Unter den erfahrenen Musikern fanden sich auch viele Zupfer, die schon im vorherigen SJZO musiziert hatten und auch sie waren begeistert. Noch ein Generationenwechsel, der uns geglückt ist.
Immer wieder wird bewundernd der „St. James Blues“ des Gitarrenorchesters erwähnt, den wir in einer neuen Fassung, verstärkt durch Benjamin Schäfer am Schlagzeug, aufgeführt haben. Noch mehr im Gedächtnis blieb Sarah Dincher mit ihrem melancholischen Gesang. Manche gingen sogar so weit, ihr eine Karriere als Sängerin zu prophezeien. Der „St. James Blues“ war der krönende Abschluss des ersten Teils, der klassisch begann und im Modernen endete.
Der zweite Teil startete virtuos (Konietzny halt) zusammen mit einem spielsicheren Quartett (was hierfür wahrlich nötig war), bestehend aus Svenja Beuren, Tanja Voigt, Anne-Cathrine Kappel und Tim Beuren, die für diese Darbietung von allen Seiten Anerkennung ernteten.
Was ebenfalls eine besondere Erwähnung verdient, ist „Music for Play“, welches manchem unserer Stammhörer bestimmt schon bekannt gewesen sein mochte, doch nicht in dieser Version. Denn ähnlich wie im „St. James Blues“ war auch hier Benjamin Schäfer mit von der Partie, nur jetzt nicht am Schlag- zeug, sondern am Xylophon. Eine weitere gelungene Überraschung für unsere Zuhörer.
Wie auch vor fünf Jahren schon, wurden dieses Mal wieder im Vorfeld des Konzertes Einladungen an unsere ehemaligen Spieler geschickt, einen Teil des Programms mitzugestalten. 17 Ehemalige konnten diesem Ruf folgen (darunter viele Spieler der Gründergeneration) und so saßen zum Schluss annähernd 70 Spielerinnen und Spieler auf der Bühne des Staatstheaters.
Eine Masse an Spielern, die beeindruckend gewesen sein muss.
Mit dem Einzug unserer Ehemaligen begann nun unser Best- of-Programm. Hierfür haben wir, von sowohl uns Spielern, wie auch von unserem Publikum nie vergessene Stücke, noch einmal aus unserem Archiv gebuddelt. Es hätten gewiss noch mehr sein können, doch bei der einzigen ernsthaften Kritik, die mir zu Ohren kam, nämlich, dass das Konzert zu lang gewesen sei, war es wohl richtig (wenn auch Schade), einige Klassiker nicht wieder aufzulegen. In fünf Jahren haben sie wieder eine Chance.
Nun neigte sich das Konzert langsam seinem Ende entgegen und der Applaus wollte nicht abreißen. Natürlich hatten wir das erwartet 😉
Zur Zugabe kündigte Stefan einen Überraschungsgast an:
Tobias Rössler.
Vielen wohl bekannt aus der Castingshow DSDS doch wohl den wenigsten als Gründungsmitglied des SJZO, womit selbstverständlich auch er eine Einladung erhalten hatte, die er dann auch annahm. Doch nicht nur das.
Vielleicht kannten einige bereits sein selbstkomponiertes Stück „Gib nicht auf“, aber sicherlich nicht in dieser Version.
Eigens zum Anlass unseres Jubiläumskonzertes arrangierte er sein Stück für Zupforchester neu und brachte es dann mit uns und Benjamin Schäfer (am Schlagzeug) auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Heraus kam dabei etwas, was vielleicht noch besser war, als so manch eine der Sinfonievarianten der großen Rock- und Popsongs. Derart wie der Beifall hinterher ausfiel, wird mir das Publikum dieses Konzertes wahrscheinlich zustimmen.
Auch für diesen Fall hatten wir natürlich in weiser Voraussicht geplant.
Als wir nun unsere Instrumente beiseite legten, ahnte vermutlich die eine Hälfte unserer Zuhörerschaft, was da kommen mochte, während die andere Hälfte ein großes Fragezeichen auf der Stirn trug.
„Rock Trap“ (Body Percussion) verfehlte auch dieses Mal nicht den Nerv unseres Publikums und so beendeten wir unser bislang größtes Konzert mit einem lauten Knall. Womit wir nicht zu rechnen gewagt hatten, war der Applaus danach, doch Stefan erkannte, dass es Zeit war, ein Ende zu setzen, und erbat sich beim Publikum unsere Freiheit.
wahl, bis auf eines, aber das ist wohl Geschmackssache. Das sah aber auch schwierig aus.“ (dreimal dürft ihr Raten, welches gemeint ist ;-))
Ein großartiger Abend endete hiermit, doch blicken wir auf viele weitere Abende, die zwar gewiss nicht werden wie dieser, doch bestimmt ebenso fantastisch. Ich freue mich jedenfalls schon auf das 15jährige bzw. 10jährige Jubiläumskonzert und darauf, das ein oder andere Gesicht zu unserer Stammhörerschaft hinzuzählen zu können. Bis zum nächsten Konzert!
Bericht: Tobias Dahmen

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